Schloßbergmuseum

VORTRÄGE im Rahmen der Reihe HEIMAT DER HEILIGEN

Mittwoch, 22. November 2017, 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr, Schloßbergmuseum Chemnitz

Erhalten und Gestalten Die mittelalterlichen Kirchen Sachsens als Gegenstand der Denkmalpflege im 19. Jahrhundert

Dr. Stefan Thiele

Das Bild vieler mittelalterlicher Kirchen ist in unserem Bewusstsein tief verankert. Wer könnte sich etwa den Meißner Dom ohne seine Türme oder St. Marien in Zwickau ohne den opulenten Figurenschmuck vorstellen? Was heute als selbstverständlich wahrgenommen wird, entpuppt sich oftmals als Ergebnis von Baumaßnahmen im 19. Jahrhundert. Einerseits sicherte man damit den alten Bauten das Überleben, andererseits führten die Neugestaltungen oftmals zu völlig veränderten Erscheinungsbildern und zu einem erheblichen Verlust an Alterswert. Für die Architekten war es eine willkommene Gelegenheit, ihre Vorstellungen von perfekten mittelalterlichen Formen „in Stein zu meißeln“. Stefan Thiele widmet sich in seinem Vortrag der kirchlichen Denkmalpflege des 19. Jahrhunderts in Sachsen und macht das weite Spektrum zwischen „Erhalten“ und „Gestalten“ anhand von Quellen und Gegenüberstellungen des Vorher-Nachher-Zustands erlebbar.


Das vergessene Zeitalter. Manierismus in Sachsen 1550 -1650

Peer Ehmke

Wer Sachsens Kirchen in großer Breite kennenlernt, wird feststellen, dass sich dort zahlreiche Kunstwerke aus der Zeit um 1600 befinden. Altäre, Taufbecken, Epitaphien, Kanzeln – kaum eine andere historische Epoche dürfte in sächsischen Gotteshäusern so präsent sein, wie die Jahrzehnte zwischen Reformation und 30-jährigem Krieg. Mit Stadthäusern, zahlreichen Adelssitzen oder dem wiederhergestellten Dresdner Residenzschloss findet man auch außerhalb der Kirchen im gesamten Land Zeugnisse aus jener Zeit. Die Bedeutung und Besonderheit dieser Epoche ist im allgemeinen Bewusstsein jedoch weder präsent, noch gibt es dafür einen Begriff. Peer Ehmke stellt in seinem Vortrag die regionale sächsische Erscheinung in den Kontext des europäischen
Manierismus, einer Bewegung, die mehr war, als eine kunstgeschichtliche Fußnote zwischen Renaissance und Barock. Er hinterfragt in diesem Zusammenhang auch die Verwendung des Begriffs „Renaissance“, denn wie kann etwas „wiedergeboren“ werden, was es zuvor noch gar nicht gab? In Ergänzung von Stefan Thiele thematisiert Ehmke abschließend das idealisierende Wirken des Historismus im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Auch für Architektur und Kunst um 1600 gilt, dass die Originale möglicherweise ganz anders aussahen, als man sie heute kennt. Ein Beispiel ist das „Judith-Lukretia-Portal“ am Chemnitzer Rathaus, für das neu aufgetauchte historische Dokumente massive Veränderungen am Ende des 19. Jahrhunderts belegen.

Reservierung unter Tel.: 0371/488 4501; E-Mail: peer.ehmke@stadt-chemnitz.de

Informationen zum Exkursionsprogramm unter www.schlossbergmuseum.de
Eintritt: 5 EUR

Pressemeldung Kunstsammlungen Chemnitz